25. November 2025
News
COP30 in Belém: Indigene Stimmen zur wenig einbezogen
Am Samstag, 22. November 2025 ging in der brasilianischen Amazonas-Metropole Belém die 30. Uno-Klimakonferenz zu Ende. Indigene Gemeinschaften vor Ort konnten zwar für den Schutz des Amazonas sensibilisieren, doch die erzielten Fortschritte sind zu wenig konkret. Vinícius Brito da Silva Machado, Berater von Voices, ordnet die Ergebnisse ein.
Die Bilanz der Klimakonferenz ist insgesamt bescheiden: Die internationale Staatengemeinschaft verpasste den Ausstieg aus fossilen Energien und liefert keinen umfassenden Plan, wie die Länder sozial gerechte und finanzierte Klimaschutzmassnahmen beschleunigen. Zu solchen Massnahmen gehört der Erhalt des Amazonas als grösster Kohlestoffspeicher der Erde: Wenn er den sogenannten Kipp-Punkt erreicht, hat das gravierende und irreversible Folgen für das globale Klima. In der Amazonas-Metropole Belém wurde dieses Jahr darum auch diskutiert, wie die Regenwälder, allen voran der Amazonas, erhalten werden können.
Indigene Gemeinschaften spielen beim Schutz der Regenwälder eine wichtige Rolle. Zwar nahmen in Belém über 70 000 Vertreter:innen der Zivilgesellschaft aus sechzig Ländern an einem Paralleltreffen teil, darunter Indigene Gemeinschaften, Bäuer:innen, Fischer:innen und Landlose. Ihre Stimmen wurden gehört, aber zu wenig einbezogen, kritisiert Vinícius Brito da Silva Machado, Berater von Voices. Vor diesem Hintergrund ist auch der verzweifelte Versuch einiger Indigener Aktivist:innen einzuordnen, ohne Erlaubnis bis ins Innere der internationalen Konferenz vorzudringen. Mit der Aktion wollten die Aktivist:innen ein Zeichen setzen und die offiziellen Verhandlungsteilnehmenden daran erinnern, dass wirkungsvolle Klimapolitik Hand in Hand mit der Anerkennung der Indigenen Territorien und der Unterstützung weiterer Indigener Anliegen gehen müssen. Die Proteste sind auch Ausdruck davon, dass die jahrelang aufgestaute Frustration in der Zivilgesellschaft über sehr bescheidene Ergebnisse der jeweiligen COP-Verhandlungen sich dieses Jahr in Brasilien, im Gegensatz zu früheren Austragungslsändern, Raum verschaffen konnte.
Hat die COP30 die Erwartungen der Indigenen Gemeinschaften erfüllt?
Zum ersten Mal war eine so bedeutende Anzahl von Indigenen Gemeinschaften so nahe am Zentrum der Diskussionen. Es gelang ihnen, beim Paralleltreffen ein Abschlussdokument vorzulegen und einen Teil der internationalen Akteur:innen mit ihrer Anwesenheit zu sensibilisieren. Trotz des Fortschrittes bezüglich ihrer Sichtbarkeit brachten die Ergebnisse der Konferenz aber keine wesentlichen Erfolge für Indigene Gemeinschaften. Ihre Forderungen sind noch nicht in die Beschlüsse der offiziellen Klimakonferenz eingeflossen.
Welche Beschlüsse sind für Indigene Gemeinschaften am wichtigsten?
Die grössten Lücken zwischen den Versprechungen des Klimagipfels und der lokalen Realität lassen sich in zwei Punkten zusammenfassen. Der erste betrifft die Klimafinanzierung: Es wurden 5,5 Milliarden Dollar für die Bewältigung und die Bekämpfung des Klimawandels bewilligt. Doch die damit verbundene bürokratische Komplexität erschwert, dass diese Mittel tatsächlich bei Indigenen Gemeinschaften ankommen. Es besteht die Gefahr, dass die Gelder bei Zwischenhändler:innen bleiben und dass die Beteiligung der Privatwirtschaft und die vorgesehenen Zinsen die Umsetzung der nötigen Massnahmen verhindern.
Der zweite Punkt betrifft die Frage nach der Anerkennung Indigener Gebiete. Dieses Thema ist nicht wirksam in die wichtigsten Entscheidungen der Konferenz einbezogen worden. Dies ist ein bedeutendes Versäumnis, da Studien belegen, dass Indigene Gebiete eine wesentliche Rolle beim Erhalt der Wälder spielen.
Wie ordnest du die Signale des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva ein, als Gastgeber der Konferenz?
Die brasilianische Regierung hat die Konferenz genutzt, um einige Indigene Gebiete abzugrenzen und die Anerkennung von über 10 neuen Gebieten bekannt zu geben. Doch während sie einerseits solche Demarkierungen fördert, genehmigt sie andererseits die Förderung von Gas und fossilen Brennstoffen im Gebiet der Amazonas-Mündung. Dies stellt ein erhebliches Risiko für die dort lebenden Gemeinschaften dar.
Was können Menschen in der Schweiz tun, um Indigene Gemeinschaften zu unterstützen?
Die Beteiligung der Menschen in Europa ist wichtig: Sie können mit ihrer Unterstützung Indigene Gemeinschaften stärken, die sich gegen ein Entwicklungsmodell zu wehren, das den Klimawandel fördert.
Welches ist die wichtigste Botschaft aus Belém?
Die Lösung im Kampf gegen den Klimawandel hängt wesentlich von den Indigenen Gemeinschaften ab, da ihre Lebensweise tragfähige und nachhaltige Alternativen für den Planeten bieten.
Vinícius Brito da Silva Machado ist Rechtsanwalt, Anthropologe und Berater von Voices in Brasilien.
Foto: Citupi Amazonia
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