06. Juli 2026
Medienmitteilung
Tod von Lobga Rangzen: Die Schweiz muss klar Haltung beziehen gegenüber der chinesischen Regierung!
Der Verein Tibeter Jugend in Europa (VTJE) und die Menschenrechtsorganisation Voices haben mit grosser Betroffenheit vom Tod von Pawo Lobga Rangzen Kenntnis genommen, der am 2. Juli 2026 an den Folgen seiner Selbstverbrennung vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York verstorben ist. Mit seiner Protestaktion machte er auf die anhaltende Unterdrückung in Tibet aufmerksam. Am Tag zuvor war ein weitreichendes «Ethnic Unity Law» in Kraft getreten, das eine massive Bedrohung der kulturellen, sprachlichen und religiösen Identität ethnischer Minderheiten in der Volksrepublik China darstellen, so etwa die Tibeter:innen, Uigur:innen und Mongol:innen.
Weltweit versammelten sich Tibeter:innen, um Pawo Lobga Rangzen zu gedenken und seinem letzten Wunsch – einem freien Tibet – Ausdruck zu verleihen. Auch in Zürich findet heute Freitagabend um 19 Uhr vor dem chinesischen Generalkonsulat eine Mahnwache statt. Bereits am 1. Juli hatten Tibeter:innen gemeinsam mit Uigur:innen und weiteren solidarischen Menschen weltweit gegen das Inkrafttreten des neuen «Ethnic Unity Law» in der Volksrepublik China demonstriert. Das Gesetz erwähnt ausdrücklich auch die Verfolgung von Zuwiderhandlungen über chinesisches Staatsgebiet hinaus, was gemäss internationalen Expert:innen die Gefahr vor chinesischer Transnationaler Repression noch erhöht. Der Bundesrat hat bereits letztes Jahr in einem umfassenden Bericht festgehalten, wie systematisch Tibeter:innen und Uigur:innen hierzulande von chinesischer Repression betroffen sind.
Selbstverbrennungen als Ausdruck tiefster Verzweiflung
Seit 2009 haben sich gemäss der Organisation Free Tibet über 150 Tibeter:innen aus Protest gegen die chinesische Politik selbst verbrannt. Diese tragischen Akte sind Ausdruck der extremen Repression und Perspektivlosigkeit, mit der viele Tibeter:innen konfrontiert sind. VTJE und Voices verfolgen die Entwicklungen mit grosser Sorge und rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Menschenrechtslage in Tibet weiterhin genau zu beobachten und sich entschieden für die Achtung der grundlegenden Menschenrechte, der Religionsfreiheit sowie der kulturellen Identität des tibetischen Volkes einzusetzen.
Forderungen an die Schweiz
Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse fordern VTJE und Voices den Bundesrat auf:
- Die Menschenrechtslage in Tibet und die Repression gegenüber ethnischen Minderheiten konsequent und öffentlich gegenüber der chinesischen Regierung anzusprechen.
- Den bilateralen Menschenrechtsdialog mit der chinesischen Regierung auszusetzen, solange keine substantiellen Fortschritte erkennbar sind.
- Sich auf multilateraler Ebene, insbesondere im UNO-Menschenrechtsrat, aktiv für unabhängige Untersuchungen zur Lage in Tibet einzusetzen.
- Den Schutz von tibetischen, uigurischen und anderen Diaspora-Gemeinschaften in der Schweiz vor chinesischer Transnationaler Repression zu stärken.
- Die Weiterentwicklung des bilateralen Freihandelsabkommens mit der Volksrepublik China an klare menschenrechtliche Kriterien zu knüpfen.