Bauxit-Mine im Amazonas:

Was, wenn der Damm
bricht?

Wir fordern Glencore auf, zu handeln!

Alltagsszene in Boa Nova. Foto: Niklas Franzen Alltagsszene in Boa Nova. Foto: Niklas Franzen

Im Norden Brasiliens, tief im Amazonas-Regenwald, liegt die grösste Bauxit-Mine des Landes: Mineração Rio do Norte (MRN). Bauxit ist der Rohstoff, aus dem Aluminium hergestellt wird – ein Metall, das in unserem Alltag allgegenwärtig ist: in Autos, Smartphones oder Getränkedosen. Doch hinter der glänzenden Fassade steckt eine unsichtbare Bedrohung.

In der Umgebung der Mine von MRN halten riesige Dämme die Rückstände des Rohstoffabbaus. Flussabwärts dieser Dämme leben die Flussgemeinschaften Saracá, Macedônia und Boa Nova in ständiger Angst vor einem Dammbruch. Sie fürchten, eine solche Katastrophe könnte ihre Lebensgrundlage zerstören: die Flüsse an den Seitenarmen des Amazonas-Stroms und den Regenwald.

Die Sorge ist verständlich: In Brasilien kam es in den letzten zehn Jahren zu zwei tödlichen Dammbrüchen – bei Mariana (Samarco) und Brumadinho (Vale). Dabei starben hunderte Menschen und ganze Landschaften wurden verwüstet. Auch die Flussgemeinschaften hörten von den Unfällen, leben seither in Angst und fordern mehr Information.

MRN gibt Voices gegenüber an, sie sorge für die Einbindung der Bevölkerung und den Informationsaustausch. Trotzdem fühlen sich die Menschen laut eigenen Aussagen ungenügend informiert und nicht auf einen Notfall vorbereitet. So wissen sie z. B. nicht, ob es Sirenen gibt oder wie sie sich bei einem Dammbruch verhalten sollen.

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Durch den Schlamm des Samarco-Staudamms zerstörte Häuser in Bento Rodrigues, in der Stadt Mariana – 2016 © A. M. Teixeira

In Boa Nova leben die Menschen am und mit dem Fluss. Foto: Niklas Franzen

In Boa Nova leben die Menschen am und mit dem Fluss. Foto: Niklas Franzen

Alltag in Boa Nova
Szenen Boa Nova
Rückhaltebecken und Staudämme der Firma MRN / Brasilien, 2016. Foto: Carlos Penteado/CPI

Rückhaltebecken und Staudämme der Firma MRN / Brasilien, 2016. Foto: Carlos Penteado/CPI

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Porto Trombetas © Niklas Franzen

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Porto Trombetas © Niklas Franzen

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Porto Trombetas © Niklas Franzen

Warum Glencore?

Seit 2023 gibt es Verbindungen in die Schweiz: Glencore, einer der grössten Schweizer Konzerne, ist mit 45 Prozent Aktionär von MRN. Damit gelangt die Frage der Bedrohung im Amazonas und die Forderungen der Gemeinschaften nach Sicherheit und Transparenz bis in die Schweiz.

Glencore sagt, dass sie Joint Ventures weder kontrollieren noch betreiben. Und dass sie ihren Einfluss geltend machen, damit die Joint Ventures gemäss ihren Richtlinien handeln. Daher fordert Voices, gemeinsam mit den Flussgemeinschaften, Glencore auf, die Sorgen der Gemeinschaften ernst zu nehmen und seinen Einfluss bei MRN zu nutzen, damit diese folgende Massnahmen ergreift:

  • Transparenz zur Bauweise der Dämme herstellen,
  • die Sicherheit der Dämme unabhängig überprüfen lassen,
  • gemeinsam mit den betroffenen Gemeinschaften Notfall- und Evakuationspläne erarbeiten und veröffentlichen.

Sind Sie auch der Meinung, dass Glencore jetzt seinen Einfluss nutzen muss, bevor es zu spät ist?

Dann unterstützen Sie unsere Forderungen an Glencore, ihren Einfluss bei MRN für Transparenz, Sicherheit und Verantwortung zu nutzen.

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Gründe für unsere Forderungen an Glencore

Die Flussgemeinschaften haben Angst und die Fäden führen auch in die Schweiz.

Bisherige Katastrophen: In Brasilien sind bereits Dämme gebrochen, 2015 in Mariana und 2019 in Brumadinho. Hunderte Menschen starben, Flüsse wurden verwüstet. Auch wenn damals mit Vale und Samarco andere Firmen involviert waren: Eine ähnliche Katastrophe fürchten die Gemeinschaften in Saracá, Macedônia und Boa Nova unterhalb der MRN-Dämme.

Leben in Angst: Die Flussgemeinschaften berichten von schlaflosen Nächten und permanenter Unsicherheit. Die Angst, ein Dammbruch könnte ihre gesamte Lebensgrundlage zerstören, ist Teil ihres Alltags.

Unklare Klassifizierung: Die Sicherheit der Dämme hängt stark von ihrer Bauweise ab. Laut Recherchen des Observatório da Mineração wurde ihre Einstufung geändert – warum, bleibt unklar. MRN verweist auf gesetzliche Vorgaben, gibt jedoch keine Details zur Bauweise preis.

Unklares Risiko: Laut offiziellen Stellen weisen fünf Dämme ein mittleres Risiko eines Dammbruchs auf. Das potenzielle Schadensausmass im Falle eines Dammversagens wird bei zwei dieser Dämme als hoch eingestuft. MRN erklärt, ihre Anlagen entsprächen den rechtlichen Bestimmungen, äussert sich jedoch nicht zu den konkreten Auswirkungen der Risikoeinstufungen auf die Gemeinschaften.

Unklare Massnahmen: Die Firma MRN sagt, sie sorge für die Einbindung der Bevölkerung und den Informationsaustausch. Trotzdem fühlen sich die Menschen ungenügend über die Sicherheit der Dämme informiert. Das verstärkt ihre Angst.

Schweizer Aktionär: Seit 2023 ist der Konzern Glencore mit 45 % Anteil Aktionär von MRN. Wir fordern den Konzern auf, auf die Sorgen der Flussgemeinschaften zu reagieren und zu handeln.

Forderungen unterstützen

Fakten zu MRN

Flussgemeinschaften fühlen sich von MRN-Dämmen bedroht. Wir fordern Aktionär Glencore auf, seinen Einfluss auf MRN zu nutzen, um Transparenz und Sicherheit herzustellen.

  • MRN = Mineração Rio do Norte ist Betreiberin der grössten Bauxit-Mine Brasiliens. Bauxit ist der Rohstoff, aus dem später Aluminium wird, zum Beispiel für Autos, Smartphones oder Getränkedosen.
  • Beim Abbau von Bauxit entstehen grosse Mengen an Rückständen, genannt Tailings: Im konkreten Fall von MRN umfasst das gesamte System zur Entsorgung von Bergbauabfällen 1700 Hektar – das entspricht fast 2400 Fussballfeldern.
  • Seit 2023 ist der Schweizer Konzern Glencore Aktionär von MRN (45 % Anteil) und auch im Verwaltungsrat vertreten. Wir fordern, dass er seinen Einfluss nutzt – für Sicherheit, Transparenz und Schutz der Menschen vor Ort.
  • Lebensgrundlage in Gefahr? Die Anwohner:innen fürchten, ein Dammbruch würde Saracá, Macedônia und Boa Nova direkt bedrohen – ihre Lebensweise am Fluss basiert auf Fischfang, Wald und Landwirtschaft.

Forderungen unterstützen

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Fahrt mit José Domingos «Maranhão» Rabelo (Boa Nova) © Niklas Franzen

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Edinilson Gemaque dos Santos (Saracá) © Niklas Franzen

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José Augusto «Zeca» Sarmento (Boa Nova) © Niklas Franzen

Laudenilse Ferreirea de Oliviera, Saracá. Foto: Niklas Franzen

Laudenilse Ferreirea de Oliviera, Saracá. Foto: Niklas Franzen

José Domingos Rabelo, Boa Nova. Foto: Niklas Franzen

José Domingos Rabelo, Boa Nova. Foto: Niklas Franzen

José Augusto Sarmento, Boa Nova. Foto: Niklas Franzen

José Augusto Sarmento, Boa Nova. Foto: Niklas Franzen

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